Linsey-Woolsey

Nahaufnahme gefalteter antiker Linsey-Woolsey-Textilien mit Streifen und Karos in verblichenem Indigo, Ziegelrot, Creme, Beige und Braun. Sichtbar sind Handnähte, Patchwork und abgenutzte Weboberflächen.

Die unerwartete Harmonie gegensätzlicher Fasern

Festes Leinen aus Flachs und weiche Schafwolle haben ganz unterschiedliche Eigenschaften. Dennoch verbanden frühe Heimwebende beide selbstverständlich auf demselben Webstuhl. Ein stabiler, wenig nachgiebiger Leinengrund traf auf weiche, wärmespeichernde Wolle. Daraus entstand ein schwerer Mischstoff für jahrzehntelangen Gebrauch, der seine charakteristische, feste Haptik behielt.

Diese doppelte Zusammensetzung gab dem Stoff eine besondere optische und körperliche Präsenz. Anstelle einer flachen, einheitlichen Oberfläche entstand im Zusammenspiel von klarer Leinenkette und voller, matter Wolle eine lebendige feine Struktur, die das Licht im Raum unterschiedlich aufnahm. Aus alltäglicher Zweckmäßigkeit wurde ein ausgesprochen fühlbares Material, hergestellt aus örtlichen Rohstoffen und praktischem Einfallsreichtum.

Was gibt einem schweren, unregelmäßigen Textil jene greifbare Ausstrahlung, die ein maschinell geglätteter Stoff kaum nachbilden kann?

AUS DER TEXTILBIBLIOTHEK

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