Reservefärbung

Resist Dyeing

Das Spiel mit verborgenen Farben als Entwurfsprinzip

Bei den meisten gemusterten Textilien beginnt die Gestaltung mit der Frage, wo Farbe erscheinen soll. Die Reservefärbung stellt diese Überlegung auf den Kopf. Schon vor Jahrhunderten entwarfen Handwerker komplexe Muster, indem sie gezielt entschieden, wo keine Farbe hingelangen durfte: Garnbündel wurden fest umwickelt oder Stoffpartien mit schützendem Wachs bedeckt.

Dieses aussparende Verfahren prägte manche Stoffe schon lange vor dem Weben. In Gujarat im Westen Indiens banden und färbten Handwerker einzelne Seidenfäden mit großer Genauigkeit, bevor sie daraus die kunstvollen geometrischen Muster der Patola-Seide webten.

Als die begehrten Textilien über den Ozean nach Indonesien gelangten, entwickelten die örtlichen Handwerker die Idee auf ganz eigene Weise weiter. Mit der dortigen Wachsreservefärbung Batik übertrugen sie ähnliche Gittermuster auf flach liegende Baumwolle. Ein ursprünglich aus abgebundenen Fäden entstandener Entwurf wurde zur frei fließenden Zeichnung auf Stoff.

Wie kann ein Textil, dessen Muster allein durch ausgesparte Flächen und verborgene Farben entsteht, einem modernen Raum unerwartete Bewegung verleihen?

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