Gestalten für Menschen in weiter Ferne
Im 17. und 18. Jahrhundert ermöglichten globale Handelsnetze einen ehrgeizigen Versuch maßgeschneiderter Herstellung. Europäische Händler schickten grobe Zeichnungen über die Ozeane und baten Werkstätten in Indien und China, westliche Vorlieben in handgefärbte Baumwoll- und Seidenstoffe zu übertragen.
Die örtlichen Handwerker kopierten die Vorlagen jedoch keineswegs nur. Sie verbanden die Aufträge mit eigenen überlieferten Motiven. Ein einziges Stoffstück konnte portugiesische Jagdszenen mit indischen Blumen oder chinesischen Fabelwesen vereinen. Diese Mischformen gelangten über Handelswege zurück, inspirierten japanische Färber zur Umsetzung mit Papierschablonen und regten europäische Druckereien an, eigene Verfahren zur Nachahmung importierten indischen Chintz zu entwickeln.
Wenn man heute einem solchen kulturübergreifenden Handelstextil begegnet, sieht man dann bloß eine alte Importware oder ein frühes Beispiel internationaler gestalterischer Zusammenarbeit?