Als europäische Werkstätten ganze Welten erträumten
Europäische Textilgestalter des 17. Jahrhunderts betrachteten importierte asiatische Waren nicht als Vorlagen zum bloßen Kopieren, sondern als Anstoß für ihre Fantasie. Sie kombinierten Motive chinesischen Porzellans, japanischer Lackarbeiten und Reiseillustrationen zu lebendigen erfundenen Landschaften, in denen riesige Blüten über winzigen Pavillons aufragten.
Die ungewöhnlichen Proportionen verliehen den Mustern ihre mitreißende Energie. Wilde, sich windende Stängel führten den Blick in fortlaufenden Schleifen über den Stoff. Statt starrer Raster entstand eine freie Bildsprache voller weitläufiger, fesselnder Geschichten.
Ist heutigen Designern bewusst, dass sie an eine dreihundert Jahre alte Tradition anknüpfen, wenn sie übergroße Blumenmotive und surreale Landschaften verwenden?