Mingei

Mingei

Wenn das Alltägliche außergewöhnlich wird

Weiße Stiche auf tiefblauem Indigo wirken oft wie bewusst gestaltete, auf das Wesentliche reduzierte Grafik. Bei traditionellen japanischen Arbeitsgewändern entstanden diese geometrischen Linien aus der Notwendigkeit, dünne Baumwolle zu verstärken, geschichtete Stoffreste zusammenzuhalten und die Tragenden warm zu halten. War ein Kleidungsstück schließlich ganz abgetragen, zerrissen Handwerker die verbliebenen Stoffe in schmale Bänder und verwebten sie zu neuen Textilien. Dabei gingen die alten Farbtöne in neue Streifen über.

Die Mingei-Bewegung entwickelte sich aus einer großen Wertschätzung für solche alltäglichen handgefertigten Gegenstände. Sie würdigt die stille Klugheit unbekannter Handwerker, deren praktische Entscheidungen beim Reparieren und Wiederverwenden den Dingen ihren besonderen Charakter gaben. Nichts wurde verdeckt oder kaschiert: Jeder Stich und jeder wiederverwendete Faden blieb eine sichtbare Spur der Sorgfalt.

Wie können heutige Gestaltende denselben Geist bewahren, wenn sie die Geschichte eines Gegenstands sichtbar machen, anstatt sie zu überdecken?

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