Sashiko

Sashiko

Wenn Reparatur zur reinen Geometrie wird

Im Norden Japans verhinderten die kurzen Vegetationsperioden des 19. Jahrhunderts den örtlichen Baumwollanbau. Jeder Meter Stoff, der aus dem Süden eintraf, war deshalb kostbar. Um Kleidungsstücke trotz Verschleiß weiter zu nutzen, entwickelten Handwerker ein System zur Verstärkung: Mehrere Stofflagen wurden mit dichten, regelmäßig wiederkehrenden Gittermustern vernäht.

Die als Sashiko bekannte Praxis machte aus praktischer Verstärkung eine eigene geometrische Sprache. Reihen einfacher Vorstiche festigten stark beanspruchte Stellen und bildeten zugleich Muster nach Kakiblüten und Reiskörnern. Stabilität und Gestaltung entstanden dabei aus derselben Bewegung der Nadel.

Wenn heutige Modemarken versuchen, diese handgenähte Textur nachzubilden, geht es dann nur um einen bestimmten Look? Oder zeigt sich darin, wie viel gestalterisches Wissen schon vor Jahrhunderten vorhanden war?

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